BFP-Interview


Martin Peters & Lars Häger über den CarRemarketingVerband

Interview von Sabine Brockmann (bfp)

Bereits vor fast zwei Jahren gegründet, tritt der Car Remarketing Verband (CRV) jetzt Stück für Stück in die Öffentlichkeit. Nach dem Auftritt beim diesjährigen bfp Fuhrpark-FORUM am Nürburgring lassen sich der erste Vorsitzende Martin Peters und sein Amtskollege Lars Häger, der den zweiten Vorsitz inne hat, jetzt im Interview mit Sabine Brockmann in die Karten schauen. Peters ist Director Remarketing Services bei ARI Fleet, und Häger führt die Geschäfte der noch recht jungen Online-Plattform Carsale24, ein Online-Fahrzeugvermarkter, der in diesem Frühjahr aus der Kroschke-Gruppe ausgegründet worden ist. Beide sind davon überzeugt, dass man mit mehr Transparenz und Information die Gebrauchtwagen-Branche stärken und Fuhrparkbetreibern effiziente Möglichkeiten für die Vermarktung ihrer Gebrauchtwagen eröffnen kann.

bfp: Was war die Motivation, einen Verband im Markt der Gebrauchtwagenvermarktung zu gründen?

Peters: Alle Gründungsmitglieder des Verbandes sind bereits seit vielen Jahren im Geschäft mit der Vermarktung von gebrauchen Firmenfahrzeugen tätig. Obwohl dieser Sektor zum Alltag eines jeden Fuhrparkmanagers gehört, haben wir festgestellt, dass viele gar nicht wissen, welche Remarketing-Dienstleistungen es im einzelnen gibt und wie man sie für das eigene Flottengeschäft nutzbar machen kann. Vor allem die Online-Vermarktung ist mit ihrer Funktionsweise und mit ihren Vorteilen für die Fuhrparkbetreiber noch nicht hinlänglich bekannt. So entstand die Idee, dass sich die Anbieter von Online-Remarketing-Dienstleistungen zu einem Verband zusammenschließen, um so gemeinsam dieses Geschäftsfeld stärker in den Fokus ihrer Kunden auf Einsteller-Seite wie auf Händlerseite zu rücken.

bfp: Positioniert sich der Verband also als eine Art Marketinggemeinschaft für Gebrauchtwagenvermarkter?

Peters: Nein, das wäre zu kurz gegriffen. Neben der Bekanntmachung unserer Dienstleistungen haben wir noch viele weitere Ziele, die wir auch in unserer Verbandssatzung festgelegt haben. Besonders wichtig ist uns auch der Austausch unter den Verbandsmitgliedern, denn gerade in dieser ja noch recht jungen Branche kann jeder Anbieter von den Erfahrungen der anderen profitieren. Das geht so weit, dass wir uns auch als Forum verstehen, innerhalb dessen Synergien genutzt werden und Cross-Selling-Aktivitäten stattfinden.

bfp: Warum braucht eigentlich ein so junger und recht überschaubarer Markt einen Verband?

Häger: Genau deshalb, weil er noch recht jung und überschaubar ist, glauben wir, dass es der richtige Zeitpunkt für eine Verbandsgründung ist. Die technologischen Entwicklungen erfolgen in einer rasanten Geschwindigkeit und ziehen so auch sich schnell verändernde Vertriebskanäle und Märkte nach sich. Außerdem wächst auch die Zahl der Dienstleister relativ schnell. Der Verband leistet einen wertvollen Beitrag dafür, dass diese große Dynamik ein Rückgrat erhält und in gemeinsamen Strukturen zu einem starken Wertschöpfungsfaktor wachsen kann.

bfp: Wie hat der Markt auf die Verbandsgründung reagiert?

Peters: Im Sommer 2013 habe ich die wichtigsten Marktteilnehmer mit unserer Idee einer Interessenvertretung angeschrieben und war über die schnellen und positiven Reaktionen wirklich überrascht. Kurze Zeit später hatten wir bereits ein erstes Treffen und haben die Gründung der Interessenvertretung auf Grundlage eines nicht gewinnorientierten Vereins beschlossen. Seit November 2013 sind wir also ganz offiziell der „Car Remarketing Verband e. V.“ mit dem Untertitel „Verband für online Vermarktung“ und haben sofort die ersten Mitglieder aufgenommen. Seit wir uns beim diesjährigen Fuhrpark-FORUM am Nürburgring mit einem eigenen Stand präsentiert haben, bekommen wir zahlreiche Anfragen für Mitgliedschaften.

bfp: Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen erfüllen, um Mitglied werden zu können?

Peters: Grundsätzlich sind alle juristischen Personen in unserem Car Remarketing Verband willkommen, die sich mit den Aufgaben und Zielen des Verbandes identifizieren. Voraussetzung für eine ordentliche, stimmrechtsfähige Mitgliedschaft ist, dass der onlinegestützte Verkauf von gebrauchten Fahrzeugen der Hauptgeschäftszweck der unternehmerischen Tätigkeiten ist. Alle anderen gewerblichen Interessenten oder auch Dienstleistungsunternehmen können unter den genannten Voraussetzungen als außerordentliche Mitglieder dem Verband beitreten.

bfp: Neben der Öffentlichkeitsarbeit und dem Erfahrungsaustausch haben Sie auch die Schaffung von einheitlichen Standards für den Online-Verkauf von Gebrauchtfahrzeugen in Ihren Verbandszielen verankert.

Häger: Ja, um für Gebrauchtwagenhändler maximale Transparenz zu schaffen, wollen wir festlegen, welche Fahrzeuginformationen in welcher Form zur Verfügung gestellt werden müssen. So kauft keiner die sprichwörtliche Katze im Sack, und auch für unsere Klienten, für die wir die Fahrzeuge vermarkten, herrscht ein fairer Wettbewerb. Wenn diese zum Beispiel verpflichtet werden, jedem angebotenen Fahrzeug ein standardisiertes, aussagefähiges Gutachten und eine festgelegte Anzahl Fotos beizufügen, dann gewinnen Qualitätsversprechen an Glaubwürdigkeit, weil die Produktbeschreibungen eben von neutraler, professioneller Seite erfolgen.

bfp: Wie wollen Sie garantieren, dass solche Standards auch tatsächlich von jedem Verbandsmitglied eingehalten werden?

Häger: Die nachhaltige Einhaltung unserer Verbandsstandards werden wir mit einem Siegel dokumentieren. Dieses Siegel erhält ein Verbandsmitglied, sobald es sich zu den Standards bekennt, die geforderten Maßnahmen ergriffen hat und sich einer wiederholenden Prüfung durch eine neutrale Stelle unterzieht. Wer dieses Siegel erhält, hat dann die Möglichkeit, damit zu werben und sich in seiner Kundenkommunikation damit zu profilieren.

Die Einhaltung von Mindeststandards, die schließlich mit einem Siegel belegt wird, ist uns auch deshalb wichtig, weil ja der Gebrauchtwagensektor in der Vergangenheit nicht immer den besten Ruf genossen hat. Grund dafür waren ein paar wenige schwarze Schafe, die versucht haben, sich mit der Unterschlagung von relevanten Fahrzeuginformationen oder auch mit falschen oder fehlenden Angaben zum Beispiel zur Unfallhistorie von Fahrzeugen oder zur Laufzeit und Laufleistung Wettbewerbsvorteile zu sichern. Damit wollen wir aufräumen. Unsere Verbandsmitglieder betreiben ein transparentes, sauberes und ehrliches Geschäft.

bfp: Ein weiteres Verbandsziel ist die Förderung der fachlichen Qualifikationen der Mitarbeiter der Mitgliedsunternehmen. Warum haben Sie dieses Ziel in Ihren Kanon aufgenommen?

Peters: Die Qualifikation von Mitarbeitern ist aus unserer Verbandssicht ein wirklich wichtiges Thema, denn die meisten Mitarbeiter unserer Verbandsmitglieder sind Quereinsteiger aus verwandten Berufen. Wenn wir uns als Dienstleister für das professionelle Remarketing im Markt noch stärker zu profilieren wollen, dann brauchen wir einheitliche Weiterbildungsmaßnahmen, um mit der hohen Kompetenz und Professionalität der Mitarbeiter unsere Wettbewerbsfähigkeit noch weiter zu steigern. Im Rahmen des Car Remarketing Verbands werden wir mitgliederübergreifend schulen, aber auch externe Seminare anbieten. Es gibt eine ganze Reihe von Profis und Unternehmen in unserem Markt, die wir für zielgerichtete Weiterbildungen gewinnen wollen.

bfp: In Ihrer letzten Mitgliederversammlung im April ging es unter anderem um die Harmonisierung von bereitgestellten Fahrzeugzustandsdaten der verschiedensten Gutachterorganisationen zu Rücknahmegutachten und Schadensbewertungen. Welche Lösungsansätze schweben Ihnen dazu vor?

Häger: Die Übernahme der Daten aus Gutachten und Schadensbewertungen ist ein vieldiskutierter Bereich bei unseren Mitgliedern, weil es hier keine einheitlichen Formate gibt. Die daraus resultierenden manuellen Tätigkeiten der Datenerfassung sind sehr aufwändig und anfällig für Fehler. Hier ein einheitliches Datenformat mit den führenden Dienstleister zu kreieren, wäre sicher ein richtig großer Schritt zu besserer Datenqualität und zur Reduzierung der Administration bei unseren Mitgliedern. Gerade die Gutachterbranche wird von wenigen, überregional tätigen Unternehmen dominiert. Gemeinsam mit diesen namhaften Unternehmen und den Remarketingdienstleistern als Kunden diese technischen Standards zu entwickeln und einzuführen, ist ein spannendes Projekt, das für mehr Transparenz im Gebrauchtwagenmarkt führt. Deshalb haben wir gemeinsam beschlossen, einen Forschungsauftrag an eine namhafte Universität zu übertragen, um einen einheitlichen Standard als Lösung zu erarbeiten

bfp: Vielen Dank für das Gespräch!

Quelle: www.fuhrpark.de

Download: PDF (Seite 34/35)